Analysen
Verteidigung: Neue Ära in der Sicherheitsindustrie
Die zunehmenden Unsicherheiten in der Geopolitik sorgen dafür, dass die Länder rund um den Erdball ihre militärischen Ausgaben erhöhen. Das gilt insbesondere für Europa, wo gerade ein dreistelliges Milliardenprogramm verabschiedet wurde. Die steigenden Investitionen geben der Rüstungsbranche Aufwind – sowohl operativ als auch an der Börse.
Kriege, Krisen und geopolitische Machtverschiebungen, von Frieden auf der Welt fehlt derzeit jede Spur. Die Lage im Nahen Osten ist so brenzlig wie seit Jahren nicht, der Friedensplan im Ukraine-Krieg scheint in weiter Ferne und die geopolitischen Spannungen zwischen Ost und West nehmen zu. Allein diese Konflikte sorgen dafür, dass die Länder ihre Verteidigungsbereitschaft stärken. Nach Daten des Stockholmer Friedensinstituts SIPRI wurde bereits im Jahr 2021 erstmals die Schwelle von 2 Billionen US-Dollar bei den weltweiten Militärausgaben überschritten und die Kurve zeigt seither weiter nach oben.
2023 haben die globalen Militärausgaben mit 2,44 Billionen US-Dollar einen neuen Höchststand erreicht. Das war ein Anstieg um 6,8 Prozent und bereits der neunte in Folge (siehe Grafik 1). Und der Trend hält aus verschiedenen Gründen weiter an. So fordert die USA von den NATO-Mitgliedern höhere Beteiligungen, Europa unterstützt die Ukraine immer mehr im Krieg gegen Russland und last, but not least hat die deutsche Regierung nun die »Geld-Bazooka« rausgeholt. Die Rede ist vom neuen Billionen-Finanzpaket für Sicherheit und Investitionen. Damit soll Deutschlands Infrastruktur verbessert und die Bundeswehr auf den neuesten Stand gebracht werden. Das trifft alle Bereiche. So soll nicht nur das Heer und die Marine ertüchtigt werden, sondern auch die neu formierte Cyber-Einheit mit Milliarden unterstützt werden.
Nicht nur Deutschland, die gesamte EU rüstet auf. Die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten haben bei ihrem jüngsten Frühjahrsgipfel entschieden, die Investitionen in die Verteidigung bis zum Ende des Jahrzehnts kräftig anzuheben. In den kommenden vier Jahren möchten die 27 Länder insgesamt 800 Milliarden Euro dafür locker machen.
»Rüstungschampion«
Über die Mobilisierung freut sich insbesondere die Verteidigungsbranche, die mit dicken Aufträgen rechnen darf. Ganz vorn mit dabei ist die deutsche Rheinmetall. Erst kürzlich haben die Düsseldorfer einen Rahmenvertrag über ein Volumen von 3,1 Milliarden Euro mit einer Laufzeit bis Ende 2030 zur Digitalisierung der Bundeswehr erhalten. Dabei geht es vor allem um die Vernetzung in der Gefechtsführung. »Eine Epoche der Aufrüstung in Europa hat begonnen, die uns allen viel abverlangen wird«, schätzt Konzernchef Armin Papperger die Situation ein und fügt hinzu: »Sie bringt uns bei Rheinmetall für die kommenden Jahre aber auch Wachstumsperspektiven, wie wir sie noch nie erlebt haben.« Bereits im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen Rekordergebnisse. Der Umsatz legte um 36 Prozent auf rund 9,7 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis sogar um 61 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro. Zu dem überproportionalen Gewinnanstieg trug vor allem das margenstarke Geschäft mit Waffen und Munition bei (siehe Grafik 2).
Um zum, wie vom CEO formulierten »globalen Rüstungschampion« aufzusteigen, setzt Rheinmetall auch auf Partnerschaften. So wurde in Italien ein gemeinsames Projekt mit Leonardo eingegangen, das milliardenschwere Panzer-Aufträge erwartet. Daneben planen die Rheinländer, mit KNDS und Thales bis 2040 die Kampfpanzer Leopard 2 und Leclerc durch ein plattformübergreifendes Bodenkampfsystem zu ersetzen. Apropos KNDS: Der deutsch-französische Panzerbauer lotet Medienberichten zufolge einen Börsengang aus, was wiederum Rheinmetall auf den Plan ruft. »Wenn KNDS an die Börse geht und sich daraus eine Möglichkeit ergibt, etwas zu tun, dann werden wir etwas tun«, sagte Papperger vor Analysten auf die Frage nach einer Konsolidierung und KNDS.
Wachstum steht so oder so weiter auf dem Plan des 62-Jährigen. Der Umsatz soll im laufenden Jahr um 25 bis 30 Prozent steigen, in der Militärsparte sogar um 35 bis 40 Prozent. Zugleich wird eine operative Margenverbesserung von 15,2 auf 15,5 Prozent erwartet. In dieser Prognose sind die derzeitigen Entwicklungen, sprich die erhöhten Verteidigungsausgaben in Europa, noch nicht berücksichtigt.
Big Player in Europa …
Nicht nur Rheinmetall, zahlreiche weitere europäische Unternehmen möchten sich ein Stück vom Milliardenkuchen abschneiden. Das gilt beispielsweise für Airbus, dem nach der britischen BAE Systems zweitgrössten Verteidigungsgesellschaft auf dem alten Kontinent. Zum Repertoire der Niederländer zählen unter anderem der Militärtransporter A400M, Kampfflugzeuge sowie auch Satellitensysteme. Airbus ist zudem am Eurofighter-Konsortium beteiligt. 17 Prozent der Konzernerlöse entfallen zurzeit auf den »Defence and Space«-Bereich. Die grösste Sparte bei Airbus ist das zivile Flugzeuggeschäft. Da die Auslieferungsdynamik im Kerngeschäft zuletzt etwas abgenommen hat, spriessen die Gewinne auch nicht so stark wie beispielsweise bei Rheinmetall. Das bereinigte Ebit ging im vergangenen Jahr sogar leicht zurück. 2025 steht aber eine Wende an: Airbus erwartet einen Anstieg auf rund 7 Milliarden Euro, das entspricht einem Plus von knapp 30 Prozent.
Ebenfalls grosse Namen im Rüstungsbereich sind die französische Thales, die britische Rolls Royce mit ihren Triebwerken und Nuklearreaktoren für U-Boote sowie auch thyssenkrupp. Letztgenannter ist eigentlich bekannt für sein Stahl-Engagement, hat aber mit seiner Marinetochter TKMS auch ein Bein im Militärgeschäft. Diese fertigt unter anderem U-Boote und Fregatten. Der Auftragsbestand lag zuletzt bei mehr als 16 Milliarden Euro und es kommen immer mehr Orders dazu. So hat thyssenkrupp Marine Systems gute Aussichten, dass das Land Singapur den bestehenden Vertrag um zwei weitere U-Boote erweitert. Schon heute sind die Produktionskapazitäten mit einem Ordervolumen von 15 U-Booten bis ins Jahr 2040 ausgelastet. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg könnte TKMS darüber hinaus vor einem Grossauftrag aus Deutschland über sechs Fregatten im Wert von mehr als 15 Milliarden Euro stehen. Als Sahnehäubchen für die Aktionäre kommt obendrauf, dass thyssenkrupp gerade an der Abspaltung der Sparte arbeitet. Für 2025 wird ein Börsengang in Erwägung gezogen.
… und Übersee
Aber nicht nur Europa rüstet auf, auch die USA möchten ihre militärischen Fähigkeiten weiter forcieren. Das wiederum kommt unter anderen GE Aerospace zugute. Erst Anfang März kündigte der Luft- und Raumfahrtriese an, bis 2025 fast 1 Milliarde US-Dollar in seine Fabriken und Lieferketten zu investieren, um die Fertigungsprozesse zu stärken und die Implementierung neuer Technologien und Komponenten zu verbessern. Passend dazu flatterte dem Unternehmen wenige Tage später ein 5-Milliarden-US-Dollar-Auftrag der US Air Force ins Haus. GE Aerospace, das aus der Abspaltung der Energietechnik und der Medizintechnik aus General Electric hervorgegangen war, wird über einen festgelegten Zeitraum eine unbestimmte Anzahl von F110-Triebwerken liefern. Da bei dem Flugzeugzulieferer auch das zivile Geschäft mit Triebwerken und deren hochmargige Wartung brummt, konnte der Konzern den operativen Gewinn im abgelaufenen Jahr um 30 Prozent auf 7,25 Milliarden US-Dollar steigern und verspricht für 2025 ein erneut deutliches Wachstum auf 7,8 bis 8,2 Milliarden US-Dollar. Der Auftragseingang schnellte um fast ein Drittel auf 50,3 Milliarden US-Dollar empor. Vorstandschef Larry Culp sprach von einem »monumentalen ersten Jahr als eigenständiges Unternehmen«. Der CEO zeigt auch ein Herz für Aktionäre: Die Dividende wird um 30 Prozent erhöht und zudem sollen eigene Aktien im Wert von 7 Milliarden US-Dollar zurückgekauft werden.
Die rosigen Aussichten trieben die GE-Aktie zuletzt auf ein neues Allzeithoch. Auf Sicht von einem Jahr weist der Titel ein sattes Plus von 46 Prozent auf (siehe Grafik 3). Gegenüber thyssenkrupp sind das aber nur »Peanuts«, der Branchenmitstreiter konnte sich allein seit Silvester mehr als verdoppeln. Das Mass der Dinge ist allerdings derzeit der deutsche Rüstungstitel Rheinmetall. Bei dem DAX-Titel steht 2025 ebenfalls bereits eine Kursverdopplung auf dem Papier, auf 12-Monats-Basis beträgt der Anstieg gar 160 Prozent (siehe Grafik 4). Bei diesen exorbitanten Kursaufschwüngen stellen sich Anleger zu Recht die Frage: Wie lange kann das noch gut gehen? Bei Rheinmetall scheinen sich selbst Insider nicht mehr ganz sicher zu sein. So haben im März einige Verwaltungsräte eigene Aktien zusammengerechnet im Millionenbereich verkauft.
Produktidee: Zertifikate auf Verteidigungsunternehmen
Eine sichere Antwort auf die Frage nach den weiteren Kursentwicklungen der haussierenden Rüstungsaktien gibt es natürlich nicht. Aber mithilfe effektiver Long- und Short-Produkte lassen sich beide Seiten gewinnbringend spielen. So sind Faktor-Zertifikate, die über einen konstanten Hebel verfügen, beispielsweise für kurzfristige sowie auch trendstarke Bewegungen geeignet – und das zeitlich unbegrenzt. Gehebelte Spekulationen lassen sich auch mit Unlimited Turbo-Zertifikaten umsetzen. Die Papiere besitzen ebenfalls eine Endlos-Laufzeit und ermöglichen, mit einem kleinen Kapitaleinsatz auf steigende und fallende Kurse zu setzen.
Unlimited Turbo-Zertifikate
Valor |
Basiswert |
Typ |
Stoppschwelle |
Handelsplatz |
---|---|---|---|---|
Airbus |
Call |
148,94 EUR |
Swiss DOTS |
|
Airbus |
Put |
193,69 EUR |
Swiss DOTS |
|
Rheinmetall |
Call |
1.116,04 EUR |
Swiss DOTS |
|
Rheinmetall |
Put |
1.600,00 EUR |
Swiss DOTS |
|
thyssenkrupp |
Call |
8,12 EUR |
Swiss DOTS |
|
thyssenkrupp |
Put |
10,50 EUR |
Swiss DOTS |
Faktor-Zertifikate
Valor |
Basiswert |
Strategie |
Faktor |
Handelsplatz |
---|---|---|---|---|
Airbus |
Long |
4 |
Swiss DOTS, BX Swiss |
|
Airbus |
Short |
–6 |
Swiss DOTS |
|
GE Aerospace |
Long |
8 |
Swiss DOTS |
|
GE Aerospace |
Short |
–4 |
Swiss DOTS |
|
Rheinmetall |
Long |
4 |
Swiss DOTS |
|
Rheinmetall |
Short |
–4 |
Swiss DOTS |
|
thyssenkrupp |
Long |
4 |
Swiss DOTS |
|
thyssenkrupp |
Long |
8 |
Swiss DOTS |
Stand: März 2025; Quelle: Société Générale
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