Analysen
US-Erdgas: Temperaturen runter, Preise rauf
Extreme Kälte hat den Erdgasverbrauch in den USA über den vergangenen Winter stark steigen lassen. Gleichzeitig drehte der Preis des Energieträgers dynamisch nach oben. Neben den Kapazitäten der US-Gasproduzenten sind das Wetter sowie die globale Nachfrage nach Flüssiggas für die weiteren Aussichten massgeblich.
In Mitteleuropa war der Winter 2024/2025 viel zu warm. Für die Schweiz dokumentierten Meteorologen im landesweiten Schnitt eine um 2 Grad über der klimatologisch-relevanten Norm der Jahre 1961 bis 1990 liegende Temperatur. Ein ganz anderes Bild zeigte sich in Nordamerika. Schneestürme und extreme Kälte machten den Menschen dort immer wieder zu schaffen. Selbst Texas blieb nicht verschont. Im Februar liess ein »arctic blast« die Temperaturen in dem am Golf von Mexiko gelegenen Bundesstaat deutlich unter den Gefrierpunkt fallen. Dieses Extremwetter führte das regionale Stromnetz an die Belastungsgrenze. Am Morgen des 17. Februar 2025 stellte das Electric Reliability Council of Texas (ERCOT) für den gesamten Bundesstaat bei der Stromnachfrage einen Spitzenwert von 83.000 Megawatt fest – damit war die Energiekapazität von 88.000 Megawatt nahezu aufgebraucht.
»Henry Hub« hebt ab
Ausfälle, wie es sie im Winter 2021 gegeben hatte, konnten verhindert werden. Dabei half Erdgas. Während des skizzierten Kälteeinbruchs schnellte die Verfeuerung des Energieträgers für die Stromerzeugung nach oben. Pro Tag wurden in Texas im Schnitt 904,8 Gigawattstunden Erdgas in den entsprechenden Kraftwerken verbraucht – 175 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2024. Zu diesen Zahlen passt die Preisentwicklung des Rohstoffs: Im Februar 2025 hat sich US-Erdgas in der Spitze um knapp die Hälfte verteuert. Am 10. März erreichte der Terminkontrakt Henry Hub mit 4,90 US-Dollar je Millionen britischen Thermaleinheiten den höchsten Stand seit Ende 2022 (siehe Grafik 1).
Damit konnte der Energieträger eine zähe Baisse abschütteln. 2024 notierte Henry Hub im Schnitt bei 2,21 US-Dollar. Inflationsbereinigt war das laut der U.S. Energy Information Administration (EIA) der tiefste jemals festgestellte jährliche Durchschnittspreis. Im März 2024 erreichte der Kontrakt ein Allzeittief von 1,51 US-Dollar. »Das robuste Erdgasangebot in den USA und ein begrenztes Wachstum der Nachfrage haben die Preise für den grössten Teil des Jahres belastet«, stellt die EIA fest. Längst wirkt sich dieser Absturz auf das Angebot aus. »Die Produzenten in erdgasreichen Regionen haben auf die beständig tiefen Preise reagiert, indem sie weniger bohren«, berichtet die US-Energiebehörde. Konkret ist die Zahl der Erdgasentnahmestellen, im Fachjargon »Rigs«, im vergangenen Jahr um 30 auf 105 gefallen. Schon 2023 hatte der Sektor die Kapazitäten zurückgefahren (siehe Grafik 2).
Positiver Ausblick
Dementsprechend zehrte der strenge Winter an den Erdgasvorräten der USA. Im Januar und Februar schrumpften die Bestände um ein Drittel stärker, als es die EIA erwartet hatte. »Wir gehen davon aus, dass die Erdgasvorräte in den Arbeitsgasspeichern zum Ende der Wintersaison am 31. März etwa 10 Prozent unter dem 5-Jahres-Durchschnitt liegen werden«, schreibt die Agentur in ihrem kurzfristigen Marktausblick. Da die Tanks für den Rest des Jahres weniger stark gefüllt sein dürften, hat sie ihre Preisprognose nach oben angepasst. Für 2025 erwarten die Experten für Henry Hub eine durchschnittliche Notierung von 4,20 US-Dollar. Das sind 37 Prozent mehr, als die Behörde im vergangenen Herbst vorhergesagt hatte.
Mit Blick auf das kommende Jahr setzte die EIA die Zielmarke noch höher an. Sie prognostiziert für 2026 bei Henry Hub einen durchschnittlichen Preis von 4,50 US-Dollar und verweist auf den global steigenden Bedarf an Liquefied Natural Gas (LNG). Dabei handelt es sich um Erdgas, das durch starke Abkühlung verflüssigt wird. Auf diese Weise schrumpft das Volumen des Energieträgers um den Faktor 600, wodurch er sich mit speziellen Schiffen in alle Welt transportieren lässt. Die USA bauen ihre LNG-Kapazitäten seit Jahren stark aus. Im Bundesstaat Lousiana nahm im Dezember »Plaquemines LNG«, das achte Flüssiggas-Exportterminal der Staaten, den Betrieb auf. Fast zeitgleich wurden in Texas die Kapazitäten der Anlage »Corpus Christi Liquefaction« aufgestockt.
So könnte es weitergehen
Jetzt steht erst einmal die Phase an, in der die Vorratstanks aufgefüllt werden. Die Nachrichtenagentur Reuters hat sich bei mehreren Rohstoffanalysten umgehört. Zwar gehen diese für die Sommermonate von einem deutlichen Anstieg der Erdgas-Lagerbestände in den USA aus. Per Ende Oktober sehen die Researchhäuser einen Füllstand von insgesamt 3,75 Millionen Kubikfuss. Allerdings wären das ein 3-Jahres-Tief und zudem rund 5 Prozent weniger als zu Beginn der Wintersaison 2024/2025. Im Zeitraum 2020 bis 2024 verfügten die USA am Ende der sommerlichen Füllphase im Schnitt über 3,78 Millionen Kubikfuss des Energieträgers.
Gut möglich, dass der höhere Preis zu einem stärkeren Anstieg der Bohrstellen respektive zu einer Revision dieser Prognose führt. In diesem Fall könnte Henry Hub unter Druck geraten. Neben der Angebotssituation spielt das Wetter in Nordamerika eine zentrale Rolle. Hitzephasen im Sommer treiben den Erdgasbedarf wegen der auf Hochtouren laufenden Klimaanlagen ähnlich an wie ein kalter Winter.
Während eine Prognose hier schwierig ist und den Meteorologen überlassen werden muss, ist die Charttechnik einfacher: Henry Hub bewegt sich seit dem vergangenen Sommer in einem Aufwärtstrend. Allerdings hat die Dynamik nach dem jüngsten Top nachgelassen. Im Bereich von knapp 4 US-Dollar konsolidiert der Future. Gerade für Trader ist diese Konstellation interessant, sie können mittels Hebelprodukten auf den nächsten »Energieschub« setzen.
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Unlimited Turbo-Optionsscheine:
Valor |
Basiswert |
Typ |
Hebel |
Strike |
Stoppschwelle |
Handelsplatz |
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Natural Gas Future |
Call |
7,6 |
3,4356 USD |
3,6400 USD |
Swiss DOTS |
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Natural Gas Future |
Call |
4,9 |
3,1509 USD |
3,3400 USD |
Swiss DOTS |
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Natural Gas Future |
Call |
3,0 |
2,6754 USD |
2,8360 USD |
Swiss DOTS |
|
Natural Gas Future |
Put |
2,8 |
5,2600 USD |
4,9430 USD |
Swiss DOTS |
|
Natural Gas Future |
Put |
2,3 |
5,5654 USD |
5,2300 USD |
Swiss DOTS |
|
Natural Gas Future |
Put |
1,9 |
5,9652 USD |
5,6060 USD |
Swiss DOTS |
Stand: März 2025; Quelle: Société Générale
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