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Digitale Zwillinge – Der unsichtbare Gamechanger und nächste grosse Megatrend?

Die Welt wird digitaler – und damit verbunden entstehen Technologien, die unsere Produktions-, Planungs- und Optimierungsprozesse grundlegend verändern. Ein solcher Treiber dieser Transformation ist der digitale Zwilling: ein virtueller Doppelgänger, der reale Maschinen, Prozesse oder sogar ganze Städte in Echtzeit abbildet. Doch was steckt hinter diesem Konzept und warum wird es wahrscheinlich zum unverzichtbaren Werkzeug für Unternehmen in der Zukunft?

Künstliche Intelligenz (KI), Industrie 4.0 und das Internet der Dinge (IoT) haben bereits zahlreiche Wirtschaftszweige transformiert. Doch eine Technologie könnte all das noch weiter revolutionieren: der digitale Zwilling. Was einst nach Science-Fiction klang, wird heute Realität – und stellt Unternehmen vor völlig neue Möglichkeiten. Von der Fertigung bis zur Medizin können digitale Abbilder physischer Objekte ganze Branchen verändern. Doch nicht nur die Industrie profitiert – auch für Investoren können sich durch diesen neuen Megatrend spannende Chancen ergeben.

Die neue industrielle Revolution
Die Technologie des digitalen Zwillings beeinflusst die Art und Weise, wie Unternehmen Produkte entwickeln, Prozesse steuern und Abläufe optimieren. Von der Automobilindustrie über die Medizintechnik bis hin zur Stadtplanung werden virtuelle Abbilder genutzt, um Ressourcen effizienter einzusetzen und Innovationen voranzutreiben.

Die Technologie des digitalen Zwillings gehört zu den spannendsten Entwicklungen unserer Zeit. Ich analysiere und investiere seit über 40 Jahren in Technologietrends. Und was wir hier sehen, ist nicht weniger als eine Revolution in der Art und Weise, wie Unternehmen Produkte entwickeln und Prozesse steuern.

Was ist ein digitaler Zwilling?
Ein digitaler Zwilling ist weit mehr als eine simple 3D-Simulation. Die Technologie verbindet drei zentrale Komponenten: den digitalen Master als idealtypisches Modell, den digitalen Schatten aus Echtzeitdaten des physischen Objekts und eine intelligente Verknüpfung beider Elemente.

Ein Beispiel: Stellen Sie sich eine Windkraftanlage vor. Der digitale Zwilling dieser Anlage sammelt Daten über Windgeschwindigkeiten, Temperaturen, Vibrationen und den Zustand der Rotorblätter. Diese Informationen werden analysiert, um Wartungsbedarf vorherzusagen, die Effizienz zu steigern und Ausfallzeiten zu minimieren (siehe untere Abbildung).

Diese Technologie verbindet die physische mit der digitalen Welt in Echtzeit. Das eröffnet Möglichkeiten, die wir bisher nur aus Science-Fiction-Filmen kannten. Durch diese Kombination entstehen also völlig neue Möglichkeiten für Optimierung und Innovation. Diese Technologie ermöglicht es, Produkte über den gesamten Lebenszyklus zu analysieren, Prozesse effizienter zu gestalten und somit Kosten zu senken und Zeit zu sparen. Unternehmen weltweit setzen bereits auf diese Innovation – mit beachtlichem Erfolg.

Ich setze bereits seit einiger Zeit aktiv auf diesen neuen Megatrend und die Leser meiner Börsendienstangebote und ich investieren in Unternehmen, die wahrscheinlich stark von der Entwicklung des digitalen Zwillings profitieren werden.

Von der Theorie in die Praxis
Die Einsatzmöglichkeiten digitaler Zwillinge scheinen nahezu grenzenlos. Sie revolutionieren bereits heute zahlreiche Branchen und schaffen neue Möglichkeiten für Effizienz und Innovation.

Industrie 4.0: die Fabrik der Zukunft
In der Industrie sind digitale Zwillinge ein zentraler Bestandteil der vierten industriellen Revolution. Sie ermöglichen, Produktionsanlagen in Echtzeit zu überwachen und zu optimieren. Durch die Analyse von Maschinendaten können Unternehmen vorhersagen, wann eine Maschine gewartet werden muss, bevor sie ausfällt. Das reduziert Ausfallzeiten und spart Kosten. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, Produktionsprozesse virtuell zu testen und zu optimieren. Der Konsumgüterriese Procter & Gamble zum Beispiel setzt bereits in dieser Hinsicht auf den digitalen Zwilling, um Produktionsprozesse zu optimieren. Das Unternehmen hat die Technologie in verschiedenen Bereichen integriert und steigert so seine Effizienz erheblich.

Smart Cities: Städte intelligent gestalten
Grosse Städte auf der ganzen Welt nutzen digitale Zwillinge, um nachhaltiger und lebenswerter zu werden. Der digitale Zwilling einer Stadt kann Verkehrsströme analysieren, die Energieversorgung optimieren oder die Auswirkungen von Bauprojekten simulieren.

Unter anderem Microsoft stellt die Technologie des digitalen Zwillings über seine Plattform Azure Digital Twins zur Verfügung und hilft damit beispielsweise einer Stadtverwaltung, zu testen, wie sich die Einführung einer neuen U-Bahn-Linie auf den Verkehr auswirkt. Oder sie kann simulieren, wie sich der Energieverbrauch reduziert, wenn bestimmte Gebäude mit Solaranlagen ausgestattet werden.

Digitaler Zwilling am Beispiel einer Windkraftanlage

Gesundheitswesen: personalisierte Medizin
Wie transformativ diese Technologie sein kann, zeigt sich besonders eindrucksvoll in der Medizin. Das Hamburger Unternehmen apoQlar beispielsweise revolutioniert mit seiner »Holomedizin« die Chirurgie. Mithilfe von Microsofts HoloLens-Technologie und spezieller Software können Chirurgen Operationen anhand eines digitalen Zwillings des Patienten präzise planen und während des Eingriffs millimetergenau navigieren.

Darüber hinaus eröffnen digitale Zwillinge völlig neue Möglichkeiten im Medizinbereich. Sie können verwendet werden, um individuelle Behandlungspläne für Patienten zu erstellen. Ein digitaler Zwilling eines menschlichen Herzens kann beispielsweise helfen, die Auswirkungen von Medikamenten oder chirurgischen Eingriffen zu simulieren. Auch in der Forschung spielen digitale Zwillinge eine wichtige Rolle. Sie ermöglichen es Wissenschaftlern, neue Therapien und Medikamente in einer virtuellen Umgebung zu testen, bevor sie in der realen Welt eingesetzt werden.

Energie und Umwelt: Nachhaltigkeit fördern
In der Energiebranche helfen digitale Zwillinge, die Effizienz von Kraftwerken zu steigern oder erneuerbare Energien besser zu nutzen. Auch im Umweltschutz bieten digitale Zwillinge grosse Chancen. Sie können eingesetzt werden, um die Auswirkungen von Klimaveränderungen zu simulieren und Anpassungsstrategien zu entwickeln.

Vorteile, die überzeugen
Der grösste Vorteil digitaler Zwillinge liegt also in ihrer Vorhersagekraft. Sie können Probleme erkennen, bevor sie auftreten, sparen Zeit, Kosten sowie Ressourcen und optimieren Prozesse. Echtzeitdaten helfen, Engpässe zu beseitigen und Maschinen effizient zu warten, was Ausfallzeiten reduziert und somit die Lebensdauer verlängert. Digitale Zwillinge bieten eine risikofreie Umgebung für Experimente und fördern die Nachhaltigkeit, indem sie Prozesse optimieren und Abfall reduzieren.

Und einen digitalen Zwilling haben wir sicherlich alle schon einmal genutzt, ohne es zu wissen. Die Rede ist von Google Earth oder Maps. Bei der Parkplatzsuche können wir erkennen, wo Parkstreifen sind, um parken zu können. Staudaten werden in Echtzeit gesammelt und uns wird eine schnellere Route vorgeschlagen. Der digitale Zwilling hat also längst Einzug gehalten in unseren Alltag.

Der Markt für digitale Zwillinge: ein rasanter Aufstieg
Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Technologie spiegelt sich in beeindruckenden Wachstumszahlen wider. Analysten schätzen, dass der Markt für digitale Zwillinge von 11 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf 138 (!) Milliarden US-Dollar bis 2030 ansteigen wird. Diese Zahlen zeigen: Unternehmen erkennen zunehmend, dass digitale Zwillinge nicht nur Kosten sparen und Effizienz steigern, sondern auch völlig neue Geschäftsmodelle ermöglichen.

Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass wir es hier mit einem echten Megatrend zu tun haben. Besonders spannend ist die Kombination mit KI und IoT, die das Potenzial der digitalen Zwillinge noch einmal verstärkt.

Ein Blick in die Zukunft
Digitale Zwillinge sind mehr als ein technischer Trend – sie sind ein Schlüssel zur digitalen Transformation. Unternehmen, die diese Technologie heute nutzen, können sich als Vorreiter in ihrer Branche positionieren. Die Zukunft digitaler Zwillinge liegt in der engen Verknüpfung mit künstlicher Intelligenz und Machine Learning. Diese Technologien ermöglichen es, die Datenanalyse weiter zu automatisieren und noch präzisere Vorhersagen zu treffen. In Zukunft werden digitale Zwillinge noch stärker vernetzt sein. Sie werden nicht nur einzelne Objekte, sondern ganze Ökosysteme abbilden können. Dies erfordert eine hohe Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen und Plattformen.

Während heute vor allem grosse Unternehmen digitale Zwillinge nutzen, wird die Technologie in Zukunft auch kleineren Unternehmen zugänglich sein. Cloudbasierte Lösungen und standardisierte Plattformen sollten das ermöglichen.

Fazit: Die Zukunft gehört den digitalen Zwillingen
Die Technologie der digitalen Zwillinge steht trotz ihrer bereits beeindruckenden Entwicklung noch am Anfang ihres Potenzials. Mit der zunehmenden Digitalisierung und dem Ausbau von 5G-Netzen wachsen die Anwendungsmöglichkeiten weiter. Ob in der Industrie, der Medizin oder der Stadtplanung – der digitale Zwilling verändert bereits jetzt unsere Welt. Mit rasant wachsendem Marktpotenzial und immer neuen Einsatzbereichen dürfte er einer der spannendsten Technologietrends der kommenden Jahre sein.

Die transformative Kraft dieser Technologie könnte die digitalen Zwillinge in den kommenden Jahren zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für Unternehmen werden lassen.

Voraussichtliche Entwicklung des Markts für digitale Zwillinge (2020 bis 2030)

PARTIZIPIEREN AM MEGATREND DIGITALER ZWILLING
Eine Möglichkeit, um gezielt an einer Vielzahl von Unternehmen zu partizipieren, die in der Digitale-Zwilling-Technologie aktiv sind, bieten beispielsweise Index-Zertifikate auf den Solactive Digital Twins Index (ISIN: DE 000 SL0 PWE 8). Er wird von der Solactive AG in US-Dollar berechnet und umfasst 20 Unternehmen, die in mindestens einem der vier unten genannten Bereiche tätig sind. Es erfolgt halbjährlich (im Mai und November) eine Indexüberprüfung sowie eine Neugewichtung des Index.

Software und Plattformen: Dieses Segment umfasst Unternehmen, die Softwarelösungen entwickeln und bereitstellen, die die Erstellung, Verwaltung und Visualisierung von digitalen Zwillingen ermöglichen.

Simulation und virtuelles Prototyping: Unternehmen in diesem Segment sind auf fortschrittliche Simulationen, KI-gesteuerte Modellierung und virtuelle Prototyping-Lösungen spezialisiert.

Industrielle und IoT-gesteuerte digitale Zwillinge: Diese Kategorie umfasst Unternehmen, die digitale Zwillinge in industriellen Anwendungen, intelligenten Fabriken und IoT (Internet of Things / Internet der Dinge)-Ökosystemen nutzen.

3D-Design und Rekonstruktion: Dieses Segment konzentriert sich auf Unternehmen, die sich mit 3D-Scanning, dreidimensionaler Kartierung und digitaler Rekonstruktionstechnologie beschäftigen.

Die Auswahl der Indexbestandteile ist vollständig regelbasiert auf Basis des ARTIS®-Konzepts (Algorithmic Theme Identification System). ARTIS® ist ein proprietäres Softwaretool der Solactive AG, das Unternehmen zu verschiedenen Themen identifiziert, indem es mehr als 500.000 Datenquellen analysiert. Datenquellen können dabei zum Beispiel Finanznachrichten, Unternehmensberichte, Einreichungen oder Social Media sein.

Unlimited Index-Zertifikat

Valor

Basiswert

Laufzeit

Berechnungsgebühr*

Quanto

Geld-/Briefkurs

140606210

Solactive Digital Twins Index CNTR

Unbegrenzt

0,80 % p.a.

Nein

8,50/8,58 CHF

Stand: 1. April 2025; Quelle: Société Générale
*Bitte beachten Sie, dass neben der Berechnungsgebühr noch weitere Gebühren, Provisionen und andere Entgelte (wie zum Beispiel Orderentgelte und Depotkosten) anfallen können, die ebenfalls die Wertentwicklung des Zertifikats mindern. Genaue Informationen zu Ihren individuellen Kosten erhalten Sie von der depotführenden Bank, über die Sie die Wertpapiere erwerben. Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt zu Informationszwecken lediglich in Kurzform und stellt einen Auszug aus dem Gesamtangebot von Société Générale sowie keine Anlageempfehlung dar. Nicht währungsgesicherte Produkte unterliegen einem Wechselkursrisiko. Die massgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.ch zur Verfügung. Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern, den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Prospekts ist nicht als Befürwortung der angebotenen oder zum Handel an einem geregelten Markt zugelassenen Wertpapiere zu verstehen.

Wie Anleger vom Megatrend profitieren können: Interview mit Michael Proffe, Börsen- und Trendfolgeexperte

Herr Proffe, Sie beobachten Technologietrends seit über 40 Jahren. Was macht digitale Zwillinge so besonders?
Die transformative Kraft dieser Technologie ist einzigartig. Während viele Innovationen nur einzelne Prozesse optimieren, verändern digitale Zwillinge die DNA ganzer Unternehmen. Sie ermöglichen nicht nur, die Effizienz zu steigern, sondern schaffen die Basis für völlig neue Geschäftsmodelle. Was mich besonders fasziniert: Die Technologie verbindet die physische mit der digitalen Welt in Echtzeit – das eröffnet Möglichkeiten, die wir bisher nur aus Science-Fiction-Filmen kannten.

Viele Zukunftsprognosen sehen den Markt für digitale Zwillinge bis 2029 bei über 91 Milliarden US-Dollar. Ist das realistisch?
Ich halte das sogar für konservativ. Die Akzeptanz wächst exponentiell, weil Unternehmen den wirtschaftlichen Mehrwert erkennen. Digitale Zwillinge minimieren Risiken, steigern die Effizienz und optimieren Produktionsabläufe. Wenn man dann noch die Kombination mit anderen Megatrends wie künstliche Intelligenz oder das Internet der Dinge einrechnet, sind noch grössere Marktpotenziale möglich. Wir befinden uns in einer frühen Phase dieser Entwicklung und hier könnten Anleger sehr profitieren.

Welche Branchen profitieren am stärksten von dieser Entwicklung?
Kurzfristig sehen wir die grössten Effekte in der Fertigungsindustrie, wo digitale Zwillinge bereits massive Effizienzgewinne ermöglichen. Besonders spannend ist aber die Entwicklung im Gesundheitssektor. Die Möglichkeit, Operationen vorab zu simulieren oder Medikamentenwirkungen präzise vorherzusagen, wird die Medizin revolutionieren. Auch die Energiebranche wird enorm profitieren – denken Sie nur an die Optimierung von Kraftwerken oder die Integration erneuerbarer Energien. Letztlich dürfte aber keine Branche von dieser Entwicklung unberührt bleiben.

Wie sollten Anleger an diesen Megatrend herangehen?
Wie immer gilt: nicht blind investieren, sondern sich mit der Technologie und den führenden Unternehmen auseinandersetzen. Besonders attraktiv sind Firmen, die nicht nur Software für digitale Zwillinge entwickeln, sondern sie auch aktiv in ihre Geschäftsprozesse integrieren. Die besten Investitionschancen liegen oft bei Unternehmen, die eine solide Marktstellung haben, aber noch stark skalieren können. Extra für solche Unternehmen habe ich für die Leser meines Börsendienstangebots ein spezielles Depot auf diese zukunftsträchtigen Trends aufgelegt. So überzeugt bin ich vom Erfolg dieser Technologie.

Blicken wir in die Zukunft: Wo steht die Technologie in zehn Jahren?
In zehn Jahren werden digitale Zwillinge wahrscheinlich so selbstverständlich sein wie heute das Internet. Wir werden ganze Städte als digitale Zwillinge modellieren, um Verkehr, Energie und Ressourcen optimal zu steuern. In der Medizin werden personalisierte digitale Zwillinge die Behandlung unserer Körper revolutionieren. Besonders spannend wird die Verschmelzung mit künstlicher Intelligenz: Systeme, die nicht nur simulieren, sondern autonom optimieren und Entscheidungen vorschlagen. Was heute noch nach Zukunftsmusik klingt, wird dann Realität sein. Die wirklich grossen Innovationen in diesem Bereich liegen sicherlich noch vor uns. Für Anleger könnte das in der jetzigen Phase eine aussergewöhnliche Chance bedeuten.